Ev.-Luth. Kirche Zschorlau
mit den Gemeinden
Albernau und Burkhardtsgrün

Kirchennachrichten Juli 2011

Jahreslosung 2011
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.           Römer 12, 21

Monatsspruch Juli 2011

Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.  Matthäus 6, 21

Liebe Gemeinde,
stimmt es, dass in unserer Gesellschaft das „Ich“ immer mehr in den Mittelpunkt rückt und das „Wir“ verschwindet? Oft wird mir solches in Gesprächen erzählt, und in der Tat: die Angebote, endlich einmal „mir“ etwas Gutes zu tun, endlich einmal „mich“ in den Mittelpunkt zu rücken, bestimmen Werbung, Lebensberatung und öffentliche Meinung. Ist das eigentlich christlich?
Im Mai war unlängst von den „neuen Kreaturen“ die Rede. Wie meint Paulus das? Im zweiten Brief an die christliche Gemeinde in der Weltstadt Korinth schreibt er: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Ostern erschafft den Menschen neu, will Paulus sagen, völlig neu. Die Auferweckung Jesu - als Paulus schreibt, ist sie etwa 20 Jahre her - damals in Jerusalem macht neue Menschen aus uns, neue Geschöpfe, neue Menschen. Und das ganz und gar Neue ist, dass wir uns um andere so kümmern, als wären wir es selbst, als hätten wir selbst Hilfe nötig, als wäre der andere auch ich.
Das ist wirklich neu. Jedes Mal, könnte Paulus auch schreiben, wenn ich „Ich“ denke, denke ich auch „Du“. Jedes Mal, wenn ich mir Gutes tue, tue ich es auch einem anderen. Jedes Mal, wenn ich mich um mich sorge, sorge ich mich auch um einen anderen. Bis mir dieses „Ich und Du“ in Fleisch und Blut übergegangen ist; bis ich ein ganz neuer Mensch bin, der gar nicht mehr nur „Ich“ schreiben und leben kann, sondern immer nur „Ich und andere“.
Der französische Schriftsteller Albert Camus (1913-1960), der 1957 den Literaturnobelpreis bekommen hat, hat sein ganzes Leben lang über die Liebe nachgedacht. Er hat gewusst: In unserer Welt, in der der Glaube an Gott schwierig geworden ist und für manche sogar unmöglich, ist die Liebe vielleicht eine Hilfe fürs Leben - und dann auch für den Glauben. Liebe ist so etwas wie die sichtbare Stellvertreterin für den unsichtbaren Gott. Wo jemand nicht immer nur „Ich“ denkt, sondern auch „Du“, ist Gott vielleicht nicht ganz so weit entfernt. Darum schreibt er etwa 1953 in sein Tagebuch (Tagebuch 1951-1959):

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Wer nichts gibt, hat nichts.
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Das größte Unglück besteht nicht darin, nicht geliebt zu werden, sondern nicht zu lieben.
Ein wunderbarer Satz ist das, die Erfahrung von viel Leben und Leiden, vermute ich. Und ein Satz, der genau trifft, was Paulus damals meinte, und was auch Jesus hätte sagen können. „Ich“ ist wichtig; aber „Du“ genauso. Die „neue Kreatur“ nach der Auferstehung weiß genau, dass sie sich kümmern muss, um nicht alleine zu bleiben in der Ecke eines Zimmers. Die „neue Kreatur“ hat bei Jesus gelernt und vielleicht schon am eigenen Leib erfahren, dass ein Leben mit immer nur „Ich“ schiefgeht. Vielleicht gewinnt man eine Weile, aber am Ende verliert man. Nämlich sich selbst.
Wer immer nur „Ich“ denkt und sagt und nur für sich handelt, verliert seine Seele, seine Gefühle, sein Mitgefühl für andere. Und sitzt nur noch in der Ecke mit erschrockenen Augen und weiß nicht weiter.
Wer gibt, gewinnt. Wer liebt, bleibt nie alleine. Wer sich kümmert, für den wird gesorgt. Das ist das „Neue“ an den „neuen Kreaturen“. Sie vertrauen sich Gott an und sorgen sich um andere. Und plötzlich spüren sie froh und dankbar: Der Weg zu mir selbst ist der Umweg über einen anderen.
Eine schöne Sommerzeit und froh machende Urlaubseindrücke wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Norbert Reißmann!

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