Kirchennachrichten Dezember 2011
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12, 21
Gott spricht: Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim Matthäus 3, 2
Liebe Gemeinde,
was haben Sie alles Schönes im Advent vor? Und zu
Weihnachten? Ich weiß: da wird gesotten und gebacken, gebastelt
und geschraubt, gefeiert und gelacht, zurückgedacht und nach
vorn geschaut. Eine Weihnachtsfeier jagt die nächste, und am
Ende steht man abgehetzt vorm Gabentisch und seufzt: Das kann
doch jetzt nicht alles sein! Was ist Advent eigentlich? Was ist
Weihnachten? Gerne möchte ich mit einer Liedstrophe eines
bekannten Adventsliedes antworten:
Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen
ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns
erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen
Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
Vermutlich ist es hilfreicher, liebe Gemeinde, wenn wir in
der Adventszeit mehr bitten, als machen. Dabei hilft uns
besonders der fünfte Vers vom Lied EG 1. Er hilft uns beim
Bitten. Dafür ist die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten
eigentlich da: dass wir in Ruhe bitten können um die Nähe Gottes
in unserem Leben. Die Nähe Gottes „macht“ man nicht mit allerlei
Geschäftigkeiten und viel Schmuck, so schön das auch ist, und so
gerne ich auch selbst schmücke. Gott will erbeten sein. Gott
drängt sich selten auf; er will gebraucht werden.
Adventszeit ist Gebetszeit, auch wenn das vielleicht in
Vergessenheit geraten ist. Wer zu bitten vergisst, will umso
mehr machen, will mit allerlei Geschäftigkeiten Gott förmlich
herbeizwingen. Das aber ist Schwerstarbeit und gar nicht nötig.
Gott will erbeten sein. Wer bittet, öffnet seine „Herzenstür“,
wie der Liedvers sagt. Das ist Gott wichtig. Das Herz soll offen
sein für ihn. Gott will nicht die Krönung des eigenen Lebens und
Schaffens sein, sondern der Grund für alles. Vor allem Schaffen,
vor allem Machen soll die Bitte stehen: Ach zieh mit deiner
Gnade ein. Das klingt wie ein kleiner Seufzer und ist auch so
gemeint. Wenn Gott fehlt, soll das heißen, dann macht alles
Schaffen und Machen wenig Sinn. Wenn Gott fehlt, fehlt das
Fundament, auf dem das Leben gebaut und gelebt wird. Wenn Gott
fehlt, zerfällt das Tun in viele Einzelteile, die zusammen oft
keinen Sinn ergeben.
Gott ist der Zusammenhang meines Lebens. Genau das will er sein.
Darum steht am Anfang und am Ende eines Tages und eines Lebens
die Bitte, dass seine Freundlichkeit uns erscheint, dem Leben
eine Richtung gibt und das Leben wertvoll macht. Ein Mensch, der
bittet, vertraut nicht zu sehr den eigenen Sicherheiten. Ein
Mensch, der bittet, vertraut den unendlichen und oft unfassbaren
Möglichkeiten Gottes. Ich will mir angewöhnen, liebe Gemeinde –
und vielleicht schließen Sie sich mir an, dass ich in der
Adventszeit bei jedem Anzünden einer Kerze am Adventskranz mir
still diese Strophe sage: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ…“.
Ich hoffe, dass diese Bitte mein Leben verändert. Nicht viel,
aber gründlich. Ich hoffe darauf, dass ich den Heiland in meinem
Alltag dann besser erkenne. Denn wenn ich seine kleinen
Hinweise, Mahnungen oder Fingerzeige im Alltag besser erkenne,
spüre ich auch etwas von der Seligkeit, die er mir schenken
will.
In diesem Sinne: eine frohe Advents- und Weihnachtszeit und
Gottes reichen Segen im Neuen Jahr!
Ihr Pfarrer Norbert Reißmann
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