Kirchennachrichten April 2011
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12, 21
Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt! Matthäus 26, 41
Gedanken zum Monatsspruch April 2011
Christliche Weltverantwortung
Anfechtung ist eine Macht, die Menschen lockt,
in die Irre zu laufen. Und "Irre" ist dabei definiert als
Selbstüberheb-lichkeit, Allmachtsfantasien, aber auch als Hoffnungs-
und Sinnlosigkeit, Verzweiflung. Alles in allem als Gottlosigkeit,
d.h. als Absage an Gott.
Warum lässt Gott zu, dass der Mensch in
Anfechtung fällt? Wäre es nicht vielmehr seine Aufgabe, dies zu
verhindern? So widersinnig die Antwort erscheinen mag, aber es ist
nicht seine Aufgabe! Gott will keinem seiner Geschöpfe seine Liebe
aufzwingen. Er ist kein Diktator, kein Vollstrecker. Vielmehr lässt
Gott jedem Menschen die Möglichkeit, sein Angebot anzunehmen oder
abzulehnen. Für Gott gibt es keinen Zeitrahmen, innerhalb dessen ein
Mensch sich ent-schieden haben muss. Er kann warten, warten auf uns,
weil seine Liebe zu uns so groß ist, dass sie unsere Irrwege und
Abwege erträgt. Gott kann also warten auf unsere Einsicht und
Umkehr. Um aber diese Einsicht zu gewinnen, ist es nötig, wachsam
und mit Gott im Gespräch zu bleiben. Der Monatsspruch würde daher
gründlich missverstanden, wenn er als Angstmacherei aufgefasst
würde. Im Gegenteil: Er will uns zu dem Vertrauen führen, dass es
immer einen Rückweg gibt, wenn wir nur wollen.
Wachen im Sinne unseres Monatsspruches ist
nicht das Ge-genteil von schlafen. Vielmehr will Jesus, dass wir die
welt-lichen Gegebenheiten mit wachen Augen wahrnehmen, uns ihnen
stellen, statt auszuweichen und uns in unser kleines Glück
zurückziehen, auch wenn die Versuchung noch so groß ist. Wer aber
hellwach bleiben will, schafft dies nur, wenn er mit Gott dauernd im
Gespräch (Gebet) bleibt. Gott hat uns in diese Welt gestellt und
nicht in private Innerlich-keit. So wie Gott sich auf diese Welt mit
allen Konsequenzen – bis hin zum
Kreuzestod seines Sohnes – eingelassen hat, so sind auch wir
gefordert, uns der Welt und ihren Proble-men ohne "wenn und aber" zu
stellen. Allerdings mit einem Unterschied: Wir wissen seit
Karfreitag und Ostern, Gott lässt seinen Sohn und seine Kinder nicht
umkommen, son-dern gibt immer wieder neues Leben, um sich den
Erforder-nissen zu stellen. Wenn wir uns diesen Erfordernissen im
Gespräch mit Jesus stellen, haben wir den Grund gefunden, der trägt
und zum Ziel führt. Mit anderen Worten: Wenn wir hellwach die Welt
betrachten und mit Gott im Gespräch bleiben, werden die zahllosen
Kreuzigungen in unserer Welt abnehmen und schließlich überwunden
werden. Dafür sind wir von Gott als seine Helfer ausersehen.
Peter Koblischke (Gemeinde-Werkstatt)
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