Geschichte der Burkhardtsgrüner Kirche
Das Dorf Burkhardtsgrün, lange Zeit nur als Einzelgehöft bestehend, wurde in den Jahren vor der Reformation gelegentlich von Mönchen der Zwickauer Franziskaner besucht. Von der
Termine Lößnitz aus durchzogen sie die Almosengebiete, sammelten milde Gaben für ihr Kloster und trugen die edlen Spender in das mitgeführte Spendenbuch ein. Fütr die Geber wurde dann im Kloster gebetet. Mit Beginn der Reformation im Oktober 1517 begann auch für unsere Heimat eine neue Zeit. Bereits 1518 wurde in der St. Annenkapelle in Neustädtel die erste lutherische Predigt gehalten. Obwohl man 1526 Johann Sommer als ersten lutherischen Prediger in Neustädtel anstellte, wurde die "arme Filial Zschorlau" und damit auch Burkhardtsgrün von dieser segensreichen Änderung wenig berührt. Mit einer Bittschrift wandten sich die Zschorlauer an die zuständige Obrigkeit, Heinrich Edlen von der Planitz. Daraufhin zog im Mai 1546 Martin Rüdel als erster Pfarrer in Zschorlau ein.
Die Bewohner des Burkhardtsgrüner Gehöftes wurden von Anfang an von Zschorlau mit betreut. Für anfallende Amtshandlungen wie Trauungen, Taufen und Beerdigungen mussten außer Geld auch Getreide und andere Sachwerte an die Zschorlauer Kirche entrichtet werden. Eine Teilnahme am Gottesdienst war aber nur in der Zschorlauer Kirche möglich. Den Besitzern des Burkhardtsgrüner Freigutes waren eine Zeit lang ein eigener Chor (abgetrennte Sitzplätze), später einige Plätze in der Kirche reserviert.
Um die Jahrhundertwende begannen Brüder der Landeskirchlichen Gemeinschaft Zschorlau, in verschiedenen Wohnungen des Ortes Versammlungen zu halten. Bald entstand eine kleine lebendige Gemeinde, und die Stuben wurden zu klein. Ab 1910 konnte man einen geräumigen Saal im Haus von Herrn Ernst Schmidt (jetziges Forsthaus) nutzen. Doch bereits 1914 wurde das Gebäude an das Forstamt verkauft, und der Saal musste geräumt werden.. Durch die Folgen des 1. Weltkrieges konnten die Aktivitäten nicht weitergeführt werden, die kleine Gemeinde brach auseinander. Im Jahre 1888 wurde der Lehrer W. Junghänel nach Burkhardtsgrün versetzt. Als ausgebildeter Kirchschullehrer war er auch berechtigt, Amtshandlungen (z.B. Taufen) durchzuführen.
Er begann regelmäßig einmal im Monat in der damaligen Schule Bibelstunden zu halten. Diese Versammlungen wurden bis zum Bau der Kirche beigehalten.
Der Religionsunterricht sowie die Christenlehre durften auch nach 1945 in der Schule stattfinden, da die Landeskirche in Burkhardtsgrün keine eigenen Räume besaß. Jahrzehntelang bemühte sich die ev.-luth. Kirchgemeinde im Ort um einen eigenen Kirchenraum. 1951/52 wurde der Bau einer Kirchenbaracke mit Hilfe des Evangelischen Hilfswerkes Radebeul geplant. Eine Holzkirche, gespendet von der ev.-luth. Kirche Finnlands, traf im März 1953 per Güterzug in Blauenthal ein. Doch die Bauteile entzündeten sich durch Funkenflug der Lokomotive und wurden unbrauchbar. Die Kirchgemeinde gab trotzdem nicht auf. Es wurde beschlossen, den Kirchenbau massiv auszuführen. Im Februar 1954 fuhren 3 Mitglieder des Kirchenvorstandes nach Berlin, um bei dem damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Dr. Otto Nuschke die Freigabe des fehlenden Bauholzes zu erwirken. Als sie im entsprechenden Ministerium abgewiesen wurden, besuchten sie Dr. Nuschke in seiner Wohnung. Im persönlichen Gespräch erhielten sie von ihm die Zusage, dass das benötigte Bauholz rechtzeitig angewiesen würde. Damit stand einer Baugenehmigung nichts mehr im Wege. Am 17.06.1954 wurde mit dem Bau des Kirchleins auf dem Grundstück von Robert Förster am Gottesacker Burkhardtsgrün begonnen. Unterstützt von vielen freiwilligen Helfern war der Bau schnell vollendet. Bereits zum Kirchweihfest im Oktober 1954 fand die feierliche Einweihung durch Superindentent Jahn, Aue und Pfarrer Fröhlich, Zschorlau, statt. In großer Dankbarkeit nahmen fast alle Bewohner des Dorfes Anteil und waren auf dem Gelände des Friedhofes versammelt.
Die im Erdgeschoß des Kirchengebäudes errichtete Totenhalle war für unseren Ort sehr notwendig. Vor dem Bau wurden die Verstorbenen in den Häusern und Wohnungen aufgebahrt und von da zum Friedhof zur Beerdigung gebracht. Die kleine Glocke hört man jeden Sonntag zu den Gottesdiensten sowie bei Bestattungen und anderen Amtshandlungen. In der ev.-luth. Kirchgemeinde ist nun reges kirchliches Leben möglich.
Die sonntäglichen Gottesdienste finden regelmäßig im Wechsel mit den Versammlungen der Landeskirchlichen Gemeinschaft statt. Bibelstunden, Chorübungsstunden, Junge Gemeinde und andere Zusammenkünfte werden abends gehalten.
Im Laufe der Jahre wurden u.a. das Dach mit Naturschiefer belegt, die Toilette angebaut, eine kleine Orgel installiert und 1993 der Heißluftofen auf Ölfeuerung umgestellt.
Im Oktober 1994 gedachte die Gemeinde im Rahmen einer Festwoche des 40jährigen Bestehens ihrer Kirche. In Dankbarkeit schaute man zurück, und die Besucher erlebten Gemeindegruppen, die mit großer Freudigkeit ihren Dienst tun.